Werte, Diskurs und Wahlergebnisse

Über die letzten Wochen kamen einige interessante Studien heraus, die u.a. als Erklärung für den Erfolg populistischer Parteien dienen können aber auch Deutschlands Rolle in einem internationalen Kontext beleuchten.

Wer wählt populistische Parteien?

Erklärungsmuster für den Erfolg populistischer Parteien können auf mehreren Ebenen erstellt werden (z.B. Werte, soziodemografische Faktoren, Themensalienz etc.). Der wohl grundlegendste Faktor liegt in Werteeinstellungen und diese wurden in einer Studie der Bertelsmann Stiftung (EUopinions) europaweit untersucht. Für Deutschland zeigt die Studie, dass AfD (und mit etwas Abstand die Linke) mit großen Abstand von Menschen mit Globalisierungsängsten gewählt werden – und nicht vorrangig von Wertkonservativen. Diese Erkenntnis deckt sich tendenziell mit der anderer (rechts-)populistischer Parteien in Europa. Die Unterstützung der verschiedenen Parteien in Deutschland variiert nur schwach nach Werteorientierung, während sie sich bei Globalisierungsängsten klar unterscheidet (s. Abb.10). Unter den AfD Wählern fürchten sich 78% vor der Globalisierung (bei Grün bis FDP nur 23-38%). 46% ihrer Anhänger sind wertkonservativ (bei Linke bis FDP 28-34, CDU/CSU 40). Auch wenn die Bertelsmann Studie keine Daten aus den USA einbezieht, decken sich diese Beobachtungen mit Trumps erfolgreicher Ansprache der Globalisierungsverlierer in den USA und seiner Politik gegen Handelsabkommen und Einwanderung. Da sich Werte nur längerfristig ändern (wenn überhaupt), muss zur Schwächung der AfD also ein politisches Angebot her, dass diese Globalisierungsängste aufnimmt. Entgegen den Forderungen vieler (verbliebener) konservativer in CDU/CSU (oder umgekehrt von linken Kritikern liberaler Gesellschaftspolitik für Frauen oder Homosexuelle) geht es aber weniger (wenn auch immer noch mit einer gewissen Relevanz) um das Nachvornestellen traditioneller Werte.

Was genau meint der Wert Globalisierungsangst (in der Bertelsmann Studie)?

Als Grundlage diente die Frage, inwiefern die Globalisierung (ohne weitere Ausbuchstabierung) als Bedrohung oder Chance wahrgenommen wird. Die Befragten, die Sorgen vor der Globalisierung haben, sehen in wesentlich größerem Maße als die Globalisierungsbefürworter die Migration als größte Herausforderung an (53 vs 42%). Bei anderen Themen wie der Armut oder Wirtschaftskrise (den Fragen, die einer möglichen sozialen Spaltung am nächsten kommen) gibt es keine nennenswerten Unterschiede. Die Angst vor dem Fremden bei Globalisierungsgegnern macht sich zudem darin deutlich, dass sie sich eher im eigenen Land entfremdet fühlen (54 vs 36%) aber auch keinen Kontakt mit Ausländern haben (55 vs 43%).

Hinzufügen sollte man, dass die Deutschen sich unter allen EU-28 Befragtenmit ihrer Globalisierungsaffinität im Durchschnitt bewegen. 55% sehen die Globalisierung als Chance, 45% als Bedrohung. In einer anderen Umfrage (YouGov für den Economist, November 2016) ist der Anteil der Deutschen, die die Globalisierung als „Bewegung zum Guten“ (a force for good) ansehen ebenfalls um die 60%, der Anteil der Skeptiker aber nur bei rund 25% (der Rest ist unentschlossen). In dieser YouGov Umfrage sehen Deutsche die Einwanderer zu etwa gleichen Teilen als positiv und negativ für das Land an, während der größte Teil weder positive noch negative Effekte sieht.

Insgesamt ist die deutsche Bevölkerung also sowohl der Globalisierung wie auch Einwanderung nicht per se negativ gegenüber eingestellt. Wichtig ist aber, dass sich v.a. die Unterstützung der populistischen Parteien (AfD und mit Abstrichen auch die Linke) vorrangig aus der Unzufriedenheit mit der Globalisierung und Einwanderung speist.

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